Essströrungen

Essstörungen zählen zu den ernstzunehmendsten psychischen Erkrankungen. Sie betreffen Menschen aller Altersgruppen und Geschlechter, oft über viele Jahre hinweg. In unserer Praxis in Köln begleiten wir Betroffene mit fundierter psychotherapeutischer Unterstützung auf dem Weg zurück zu einem gesunden Umgang mit Essen, Körperbild und Emotionen.

Essströrungen

Essstörungen zählen zu den ernstzunehmendsten psychischen Erkrankungen. Sie betreffen Menschen aller Altersgruppen und Geschlechter, oft über viele Jahre hinweg. In unserer Praxis in Köln begleiten wir Betroffene mit fundierter psychotherapeutischer Unterstützung auf dem Weg zurück zu einem gesunden Umgang mit Essen, Körperbild und Emotionen.

Was ist eine Essstörung?

Essstörungen sind psychische Erkrankungen, bei denen das Essverhalten, das Verhältnis zum eigenen Körper und das Gewicht stark gestört sind. Betroffene erleben einen hohen Leidensdruck, da das Thema Essen den Alltag dominiert und häufig mit Scham, Selbstabwertung und sozialem Rückzug verbunden ist.

Die häufigsten Formen sind:

  • Anorexia nervosa (Magersucht): Starkes Untergewicht durch restriktives Essverhalten, intensive Angst vor Gewichtszunahme, verzerrtes Körperbild.
  • Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht): Wiederkehrende Essanfälle mit anschließenden Gegenmaßnahmen wie Erbrechen, Fasten oder Sport.
  • Binge-Eating-Störung: Regelmäßige Essanfälle ohne kompensatorisches Verhalten, häufig mit Übergewicht und hohem Schamgefühl.

Auch atypische oder Mischformen sind häufig, z. B. Orthorexie (zwanghaft gesundes Essen) oder nicht näher bezeichnete Essstörungen.

Warum bekommt man eine Essstörung?

Essstörungen entstehen aus einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren:

  • Genetische Vulnerabilität
  • Störungen im Belohnungssystem und in der Emotionsverarbeitung (z. B. veränderte Serotonin- und Dopaminregulation)
  • Neurokognitive Auffälligkeiten, z. B. Rigide Kontrollmuster, geringe kognitive Flexibilität

  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Perfektionismus und hohe Leistungserwartung
  • Schwierigkeiten in der Emotionsregulation
  • Familiäre Konflikte, Trennungen, emotional instabile Bindungen

  • Schlankheitsideale in Medien und Gesellschaft
  • Diätkultur und soziale Vergleiche
  • Mobbing, Körperkritik, soziale Ausgrenzung

Essen bzw. nicht essen wird dabei oft als Bewältigungsstrategie genutzt – zur Beruhigung, Selbstkontrolle oder emotionalen Regulation.

Wie verläuft eine Essstörung?

Essstörungen beginnen häufig schleichend, etwa mit harmlosen Diätversuchen oder dem Wunsch, „gesünder“ zu leben. Im Verlauf kann sich ein Teufelskreis aus Kontrolle, Selbstbestrafung und Scham entwickeln.

Typische Verläufe:

  • Chronifizierung: Essstörungen dauern oft mehrere Jahre, besonders bei später Therapieaufnahme.
  • Wechsel der Symptomatik: Viele Betroffene wechseln zwischen restriktivem Essen, Essanfällen und Mischformen.
  • Psychische Begleiterkrankungen: Häufig treten Depressionen, Angststörungen, Zwangssymptome oder Persönlichkeitsstörungen begleitend auf.

Die Auswirkungen sind nicht nur psychisch, sondern auch körperlich gravierend – von Herz-Kreislauf-Problemen über Mangelerscheinungen bis hin zu Osteoporose und Organschäden.

Diagnostik: Wie wird eine Essstörung festgestellt? 

Die Diagnostik erfolgt durch qualifizierte Psychotherapeuten oder Fachärztin anhand internationaler Diagnosekriterien (ICD-10/11). In unserer Praxis umfasst die Diagnostik:

  • Biografische Anamnese, Essverhalten und Gewichtsentwicklung
  • Körperbildanalyse und Gewichtshistorie
  • Standardisierte Fragebögen
  • Differenzialdiagnostik zu anderen psychischen Erkrankungen
  • Kooperation mit ihrem Hausarzt, ggf. Labordiagnostik zur somatischen Abklärung

Vor oder parallel zur psychotherapeutischen Diagnostik sollte eine somatische Abklärung erfolgen. Das bedeutet: Es muss geprüft werden, ob körperliche Ursachen die psychischen Beschwerden verursachen oder verstärken. Bei Esstörungen kann dies beispielsweise eine bislang unerkannte oder nicht optimal eingestellte Schilddrüsenunterfunktion oder erkrankungen des Gastrointestinal Trakts sein (z.B. Morbus Crohn) sein. Bitte wenden Sie sich zur medizinischen Abklärung an Ihren Hausarzt oder eine Fachärztin.

Therapie: Wie wird eine Essstörung behandelt?

Essstörungen sind gut behandelbar – je früher, desto besser. Die Therapie ist individuell und richtet sich nach der Form, Schwere und Dauer der Erkrankung.

Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) gilt derzeit als wirksamste Methode. Ziele sind u. a.:

  • Aufbau eines stabilen, regelmäßigen Essverhaltens
  • Abbau dysfunktionaler Gedanken über Figur, Gewicht und Nahrung
  • Verbesserung des Körperbildes und Förderung von Körperakzeptanz
  • Entwicklung funktionaler Bewältigungsstrategien für emotionale Belastungen
  • Auseinandersetzung mit zugrunde liegenden Konflikten und Selbstwertproblemen

CBT integriert sowohl verhaltensorientierte als auch emotions- und kognitionsfokussierte Interventionen.

Ziel ist nicht nur eine Gewichtsnormalisierung oder Symptomkontrolle, sondern ein gesünderes Selbstbild, mehr Lebensqualität und ein freierer Umgang mit Essen.

In schweren Fällen ist eine Kombination aus psychotherapeutischer, ärztlicher und ernährungsmedizinischer Behandlung notwendig.

Wichtige Bausteine sind:

  • Ernährungsberatung: Aufbau eines flexiblen, bedarfsorientierten Essverhaltens
  • Ärztliche Überwachung: Kontrolle von Gewicht, Kreislaufparametern und Laborwerten
  • Psychoedukation: Verständnis über Wirkung von Hunger, Nährstoffen und Ernährung auf Psyche und Körper
  • Einbindung von Angehörigen: Verständnis, Halt und Co-Regulation

Bei starkem Untergewicht, akuter Selbstgefährdung oder ausgeprägter medizinischer Komplikation kann eine stationäre oder teilstationäre Therapie erforderlich sein.

Unser Ziel ist eine alltagsnahe, integrierte Therapie, die psychische Stabilisierung, Körpergesundheit und sozialen Rückhalt vereint.

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Quellen

  • Treasure, J., Claudino, A. M., & Zucker, N. (2010). Eating disorders. The Lancet, 375(9714), 583–593.
  • Zipfel, S., et al. (2015). Long-term outcome of anorexia nervosa in a prospective 21-year follow-up study. The Lancet Psychiatry, 2(6), 501–508.
  • Hilbert, A., et al. (2014). Prevalence of binge-eating disorder. International Journal of Eating Disorders, 47(3), 205–213.

Sie brauchen akute Hilfe?

Wenn Sie sich in einer seelischen Notlage befinden oder akute psychische Unterstützung benötigen, zögern Sie bitte nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenden Sie sich bei akuten Krisen an eine der folgenden Anlaufstellen:

  • Telefonseelsorge:
  • Psychiatrische Notfallaufnahme Köln:
  • Rettungsdienst bei akuter Krise:

Telefon:
112